Deutsche Sportlotterie

Sportlotterie-Talk mit Caro Schäfer und Jessica Libbertz

Anlässlich der 100-Tage-Marke zu den Spielen in Tokyo beantwortete Sportlotterie-Botschafterin Carolin Schäfer am 14. April im Rahmen einer (Video)Pressekonferenz der Deutschen Sportlotterie eine Reihe von Fragen zu ihrer Vorbereitung, ihren Zielen, der Stimmung rund um das anstehende Großereignis – und was aus ihrer Sicht aktuell fehlt.

Auszugsweise Veröffentlichungen sind unter Nennung der Deutschen Sportlotterie nach vorheriger Absprache möglich, wenden Sie sich dazu bitte kurz per E-Mail an die Pressesprecherin der Deutschen Sportlotterie unter dorothee.hoffmann@deutsche-sportlotterie.de.

Es sind jetzt noch 100 Tage: Wo stehst Du aktuell in der Vorbereitung auf die Spiele in Tokio?

In 100 Tagen ist natürlich der Stichtag. Da schlägt das Herz schon einmal höher. Es sind eben auch nur noch 100 Tage. Ich habe den Hauptteil bereits erfolgreich abgeschlossen, ich befinde mich jetzt im Übergang zur unmittelbaren Wettkampfvorbereitung. Das bedeutet für mich: Die Umfänge werden reduziert, die Intensitäten werden höher und das Training wird deutlich mehr am Wettkampf orientiert. Das Ziel besteht darin, die Wettkampfanläufe zu verbessern. Darüber hinaus gehen wir bereits jetzt die Abläufe durch. Um die langen Sprints trainieren zu können, sind wir ein Stück weit vom Wetter abhängig. Ich war eine lange Zeit in der Halle und habe keine Trainingslager absolviert. Die Vorfreude und Spannung sind natürlich enorm groß.

Es gab Zeiten, wo Du in Deinem Wohnzimmer improvisiert hast, um Trainingsszenarien zu simulieren. Was hat sich seit Corona im Vergleich zu den Olympischen Spielen in Rio in der Vorbereitung verändert?

Das ist natürlich ein Unterschied wie Tag und Nacht. Man darf beide Wettbewerbe nicht miteinander vergleichen, das wäre fatal. Insgesamt lebe ich seit gut einem Jahr in einer Blase. Ich habe mein Umfeld auf ein Minimum reduziert, um dem Risiko einer Infektion aus dem Weg zu gehen. Wir versuchen das Bestmögliche, um uns zu schützen. Für das Training durften wir allein in die Halle (Mainz). Hier haben wir gute Bedingungen, haben viel Platz und Zeit für das Training gehabt.

Natürlich ist es jetzt wichtig, raus und ins Stadion zu gehen. Draußen sind andere Bedingungen. Uns fällt mehr oder weniger die Decke auf den Kopf. Wir haben keine Trainingslager im Ausland absolvieren können. Wir hätten die Möglichkeit für ein Training im Ausland gehabt, haben darauf bewusst verzichtet und uns für das Training in Mainz entschieden. Es fehlt die Leichtigkeit und Unbefangenheit. Wir achten stets auf Abstände, auch wenn das nur bedingt möglich ist. Wir versuchen, jeden zweiten Tag Schnelltests zu machen, damit sich die Truppe sicher fühlt. Die Unbeschwertheit ist ein Stück weit abhandengekommen. Damit wir im Sommer körperlich und mental die besten Chancen haben, ist es wichtig, aus der bestehenden Situation das Beste zu machen. Wir haben ein sehr gutes Umfeld um uns herum. Wir unterstützen uns gegenseitig. Deshalb glaube ich, dass wir gestärkt aus der Situation hervorgehen werden.

Das Umfeld ist ein gutes Stichwort. Du hast Dich 2019 der Trainingsgruppe rund um den Zehnkampf-Weltmeister Niklas Kaul angeschlossen. Wie schnell hast Du Dich an das neue Trainingssystem in Deinem neuen Umfeld gewöhnt? In welcher Disziplin hast Du die größten Veränderungen vorgenommen?

(lacht) Ich wurde in der Gruppe sehr herzlich und warm aufgenommen. Nach wie vor fühle ich mich in der Gruppe sehr wohl. Der Wechsel hat mir sehr gutgetan. Aufgrund dessen habe ich die Verschiebung der Olympischen Spiele mit einem weinenden und einem lachenden Auge gesehen. Wir haben Zeit gewonnen, konnten uns sehr gut aufeinander abstimmen und zusammenwachsen. Sicherlich habe ich schon in dem einen Jahr gemerkt, dass die Form sehr gut war. Ich hätte sehr gerne am Mehrkampf in Götzis und im vergangenen Jahr an Olympia teilgenommen. Um der Welt zu zeigen, was ich bereits gelernt habe.
Das neue Training baut auf einer komplett anderen Mehrkampftheorie auf. Ich musste mich um 180 Grad drehen. Das Trainingssystem ist aufgrund der Tempoläufe und der Ausdauer ein komplett anderes. Vor allem achte ich mehr auf Qualität, statt Quantität. Der technische Fokus liegt im Vordergrund. Darüber hinaus wurden viele neue technische Elemente in den Ablauf integriert. Ich bin zurück auf die „Basics“ und die Wechselschritttechnik gewechselt. Das sind die Hauptelemente, die wir verändert haben. Wir haben viel im athletischen Bereich gearbeitet, da dieser Bereich oft zu kurz kommt.

Vor einem Jahr hast Du mit dem ersten Lockdown außergewöhnliche Erfahrungen gemacht. Du musstest über Nacht aus dem Trainingslager abreisen. Die Spiele wurden verschoben. Es war eine Zeit voller Unsicherheit. Bis heute fragt man sich, ob die Spiele in diesem Jahr stattfinden werden? Wie wurden die Athleten abgeholt bzw. informiert?

Der Status Quo ist, dass die Olympischen Spiele stattfinden. Solange nichts Gegenteiliges geschrieben wird, gehe ich davon aus, dass Olympia stattfindet. Die Annahme ist für die Motivation und die Vorbereitung unglaublich wichtig, um im Training 100 Prozent geben zu können. Das Training kann ich beeinflussen, alles Weitere muss ich den jeweiligen Funktionären im IOC überlassen, um zu hoffen, dass die Olympischen Spiele sicher ausgetragen werden können. Momentaner Wissensstand ist, dass die Spiele mit vielen Auflagen außergewöhnlich und herausfordernd stattfinden werden.
Um uns 14 Tage vor Olympia bestens vorbereiten zu können, haben wir vom IOC ein Buch mit Leitlinien und Richtlinien an die Hand bekommen. Beispielsweise sollen wir ein Tagebuch vorbereiten, in dem wir preisgeben, wie unser Umfeld und die Flüge aussehen werden. Mit welchen Menschen wir vermehrt vor Ort Kontakt haben werden. Damit im Voraus geplant werden kann, wie die Kontakte nachzuverfolgen sind. Das sind erhebliche Einschränkungen und Auflagen. Jedoch nehme ich die Auflagen gerne in Kauf, um an Olympia teilnehmen zu können. Es ist wichtig, dass man flexibel im Kopf ist und die Gegebenheiten nimmt, wie sie sind.

Trotzdem gab es immer wieder unter den Athleten Verunsicherung. An welcher Stelle hättest Du Dir mehr Informationen gewünscht?

Ich hätte mir gewünscht, dass in der Öffentlichkeit mehr über Olympia gesprochen wird. Dass es in den Medien Debatten über die Sicherheit der Olympischen Spiele gibt. Was erwartet uns bei den Olympischen Spielen? Das Thema ist mir in den Medien etwas zu kurz gekommen, denn wir reden vom größten Sportereignis in der Welt. Im Vergleich zur Fußball-EM, nehmen bei Olympia viel mehr Menschen aus unterschiedlichen Nationen teil, die sich zusammen im Olympischen Dorf treffen. Da findet eine komplett andere Kontakt-Zusammenkunft statt. Hier müssen sich Gedanken über die Logistik und die Struktur gemacht werden. Wir wissen nur, dass wir fünf Tage vor Olympia einreisen und 48 Stunden nach den Wettkämpfen abreisen dürfen. Mit dem ideellen Wert der Olympischen Spiele hat das wenig zu tun. Dennoch sind wir Sportler, die sich vier Jahre auf das Ereignis vorbereitet haben. Natürlich sind wir heiß auf die Olympischen Spiele. In erster Linie geht es uns um den Wettkampf und Wettstreit untereinander. Das Feeling kommt aufgrund der Auflagen etwas kurz, jedoch sind die Auflagen verständlich, um die Olympischen Spiele überhaupt austragen zu können. Wir haben das zu akzeptieren.

Der Charakter „ein Fest für die Welt“ geht ein Stück weit verloren, das ist ganz klar. Bist Du mittlerweile geimpft?

Ja, ich hatte das Privileg. Durch meinen Arbeitgeber von der Landespolizei Hessen konnte ich durch die Sportfördergruppe frühzeitig geimpft werden. Ich habe das Angebot erhalten und den ersten Impftermin wahrgenommen. In eineinhalb Wochen habe ich meinen Zweittermin. Für mich ist das ein unglaubliches Privileg. Ich bin unheimlich dankbar. Das war für mich ein Gefühl wie Geburtstag und Weihnachten zusammen. Vor Ort hatte ich ein Stück weit das Gefühl, Gold gespritzt zu bekommen. Über das Impfangebot habe ich mich sehr gefreut und es gerne angenommen. Jetzt bin ich unheimlich dankbar, ein Stück Sicherheit mehr zu haben. Das ist eine unglaubliche Erleichterung für mich gewesen.

Das war ein sehr schönes Bild, dass Du das Gold gespritzt bekommen hast. Das IOC hatte versprochen, alle Athleten mit dem chinesischen Impfstoff zu versorgen. Ist die Umsetzung aus Deiner Sicht durchführbar?

Nach meinem Informationsstand wurde der Impfstoff aus China in der EU noch nicht zugelassen – das ist das Kernproblem. Wir Sportler in der EU benötigen auch den Impfstoff. Das ist schwierig und eine große Debatte. Wir hoffen natürlich, dass wir Sportler frühzeitig ein Impfangebot bekommen. Natürlich ist es immer die Frage nach dem Impfstoff: Muss nur einmal oder doch zweimal gespritzt werden? Muss eine gewisse Dauer zwischen der ersten und zweiten Impfung eingeplant werden? Wie groß muss der Abstand sein? Reicht die Zeit dann noch aus und wie frühzeitig kommt das Angebot? Das ist entscheidend. Bislang steht im Handbuch, dass vor Ort keinerlei Unterschied gemacht wird, ob ein Sportler bereits geimpft oder nicht geimpft ist. Die Auflagen sind für alle Sportler gleich. Jeden vierten Tag soll ein PCR-Test vor Ort durchgeführt werden. Das Ziel besteht darin, Sportler mit einem positiven Corona-Test in einem gesonderten Hotel zu isolieren. Das Infektionsgeschehen soll – auch vor Ort – minimiert und gestoppt werden. Inwieweit das umsetzbar ist, wenn das „Feuer“ losgeht, sei mal dahingestellt.

Trotz der Umstände erlebe ich bei Dir eine hohe Motivation. Bei Dir ist die Vorfreude nicht gedämpft. Ich habe das Gefühl, dass Du Lust darauf hast, der Welt zu zeigen, was Du kannst. So wird es vielen anderen Sportlern gehen. Kannst Du für Dich beschreiben, wie Du die Motivation hochhältst?

Trotz der ganzen Umstände und Auflagen, sind Olympische Spiele das größte Sportereignis der Welt. Das wird es auch so bleiben und darauf muss man sich einlassen. Diese Ausgangslage kann ich nicht verändern. Was ich selbst beeinflussen kann, ist das Training vorzubereiten und den Wettkampf zu genießen, trotz der anderen Gegebenheiten und Umstände. Voraussichtlich werden es für mich die letzten Olympischen Spiele sein. Das ist für mich die absolute Motivation. Und auch die letzte internationale Medaille, die mir im Portfolio fehlt. Dafür will ich kämpfen. Ich habe nicht umsonst den Schritt im Jahr 2019 gewagt, ein neues Trainingsumfeld zu suchen. Mit dem Wechsel erhoffe ich mir weitere Reize, um gestärkt daraus hervorzugehen. Deswegen habe ich mir nicht umsonst, auf gut Deutsch gesagt, eineinhalb Jahre den Arsch aufgerissen. Ich möchte zeigen, was ich gelernt habe. Ich möchte zeigen, dass ich mich noch einmal anders entwickelt habe. Ich möchte der Welt und vor allem mir zeigen, dass ich es kann. Das ist für mich Motivation genug, um dann auch im Positiven und mit einem schönen Erlebnis vor Ort nach Hause zu fahren. Ich glaube, dass es trotzdem ein wunderbares Erlebnis wird. Egal, ob es andere Spiele werden oder nicht. Es sind Olympische Spiele und die Olympischen Ringe werden im Stadion sein. Alles andere muss man so nehmen, wie es kommt.

Die Fragen stellte Sportmoderatorin Jessica Libbertz, Botschafterin der Deutschen Sportlotterie.


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