Deutsche Sportlotterie

René Adler: "Wahnsinn, was diese Athleten investieren"

Der Fußball-Profi im Gespräch mit Jessica Kastrop

René, Philipp Lahm war schockiert, als er erfahren hat, mit wie wenig Geld Spitzensportler in Deutschland Leistung abrufen sollen. Wie siehst Du die Situation für Spitzensport-Athleten abseits der renommierten Sportarten?

René Adler: Ich finde es sehr bedenklich, dass die Kluft zwischen Sportarten, die in aller Munde sind - wie etwa dem Fußball - und anderen Disziplinen immer größer wird. Während der Sommer- und Winterspiele werden unsere Athleten im Medaillenspiegel oft mit denen aus anderen großen Nationen verglichen. Immer wieder werden dann Rufe laut, warum Deutschland nicht ganz vorne mit dabei ist. Da vergleicht man, meiner Meinung nach, Äpfel mit Birnen. In vielen anderen Ländern sind Randsportler Vollzeitprofis, die von ihrem Sport gut leben können. In Deutschland bekommen die Athleten etwa 600 Euro Sporthilfe im Monat, sollen aber im internationalen Wettkampf trotzdem konkurrenzfähig sein. Das halte ich für sehr bedenklich. Da sollte wieder ein vernünftiges Verhältnis hergestellt werden. Schließlich repräsentieren die Jungs und Mädels uns als Sportnation Deutschland.

Du bist in Leipzig geboren, warst dort auf einem Sportgymnasium. Welche Athleten beeindrucken Dich besonders?


René Adler: Vor allem die Schwimmer sind mir sehr stark in Erinnerung geblieben. Die sind teilweise vor Schulbeginn, bei uns damals um 6:45 Uhr, schon ein, eineinhalb Stunden im Wasser gewesen. Heißt: Die Jungs und Mädels sind bereits um 4:30 Uhr aufgestanden, um vor dem Unterricht zu trainieren und nach der Schule wieder in die Schwimmhalle oder den Kraftraum gefahren – alles in der Hoffnung, irgendwann einmal bei großen Sportereignissen starten zu können. Da stehen Aufwand und Ertrag in keinerlei Verhältnis. Ähnlich lief es bei den Turnern, für die die Karriere teilweise mit Anfang, Mitte 20 schon wieder vorbei war. Was da alles an Zeit, Ehrgeiz und Schweiß investiert worden ist, ist wirklich Wahnsinn.

Wie siehst Du deren Leistungen vor dem Hintergrund der finanziell schwierigen Situation?

René Adler: Ich hatte schon damals im Sportgymnasium allergrößten Respekt vor Leuten, die für Ihre Leidenschaft alles geben und Ihr Hobby - unabhängig von monetären Zielen - zur Passion machen. Mit dem Hintergrundwissen, welches ich heute habe, ist meine Bewunderung noch viel, viel größer. Das, was die vielen Sportler in den Randsportarten auf sich nehmen, um sich ihre Träume zu erfüllen, ist unglaublich. Das kann man gar nicht oft genug betonen.

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