Deutsche Sportlotterie

„Ich darf eigentlich kein Ausnahmeathlet sein“: Hoffnung für Prothesen-Weitspringer Markus Rehm

Er bringt Ausnahmeleistungen trotz Handicap – und muss sich immer wieder rechtfertigen. Die sportlichen Erfolge des beinamputierten Leichtathleten Markus Rehm werden vom Internationalen Leichtathletik-Verband (IAAF) seit Jahren so beurteilt: Seine Karbon-Prothese verschaffe ihm Wettbewerbs-Vorteile.
Eine von Rehm lang ersehnte Studie soll das nun widerlegen und dem 27-Jährigen die doppelte Starterlaubnis für die Spiele in Rio ermöglichen. Rehms langer Kampf für Respekt und Anerkennung scheint sich langsam auszuzahlen. Im Interview mit seinem Förderer, der Deutschen Sportlotterie (DSL), spricht Rehm offen über die Schattenseiten seines Erfolges und was ihn antreibt.

Von Anfang an setzte sich der Behindertensportler gegen die Unterstellungen des IAAF mit aller Kraft zur Wehr. Doch damit nicht genug: Ein inniger Wunsch des Weitsprung-Weltrekordlers ist es, dass künftig gehandicapte Sportler und solche ohne Behinderung gemeinsam Wettkämpfe bestreiten können. „Im Sinne der Gleichstellung sollte es zumindest vereinzelte Möglichkeiten geben, mit den anderen Sportlern zusammen Wettkämpfe zu bestreiten“, so Rehm.

Bei einem schlimmen Wakeboard-Unfall verlor Markus Rehm im Alter von 14 Jahren sein rechtes Bein unterhalb des Knies. Der Teenager erlebte das Schreckensszenario bei vollem Bewusstsein und kann sich an jedes Detail genau erinnern. Familienmitglieder zogen den Verunglückten damals aus dem Wasser und leisteten Erste Hilfe. Erst um Krankenhaus realisierte Rehm die Schwere der Verletzung und musste feststellen: „Plötzlich ist man nicht mehr der, der man war“.

Das Bein hat Rehm zwar verloren, nicht aber seine Kämpfernatur. Und so stand es für den unglaublich sympathischen, gebürtigen Schwaben nie zur Debatte, den Sport aufzugeben. Eine Einstellung, die sich bezahlt machen sollte. „Ich wollte schon immer als 1. im Ziel sein“, bekennt er lachend im Gespräch. Und das gelingt ihm. Dabei hilft ihm auch seine eiserne Disziplin, denn sein Leben verläuft im Spagat: Rehm muss täglich zwei Welten verbinden, das harte Training und seine Arbeit als Orthopädietechniker. Jeden Tag bringt er zwei Trainingseinheiten und vier Stunden Arbeit unter einen Hut, daneben gilt es auch noch die Dinge des Alltags zu bewältigen. Um Wege zu optimieren, hat er sich sogar extra eine Wohnung in direkter Nähe zum Trainingsplatz gesucht.

Wie erfolgreich er ist, bewiesen schon die Spiele 2012 in London. Hier sprang Rehm sensationelle 8,40 Meter weit. Das Resultat: Goldmedaille, persönliche Bestmarke, Weltrekord. Der Behindertensportler schlug nicht nur seine Konkurrenz – auch so manchen Top-Athleten ohne Handicap stellt dieser Wert locker in den Schatten. Dass das nicht nur Begeisterung auslöste, musste der Leverkusener allerdings schnell feststellen. „Es ist frustrierend, ich darf eigentlich kein Ausnahmeathlet sein“, sagt der 27-Jährige angesichts der Vorwürfe des IAAF. „Sobald man Ausnahmeleistung bringt, muss man sich rechtfertigen. Ich kann ja nicht nachweisen, wie weit ich mit zwei Beinen springen würde“.

In Kürze soll Klarheit in den Fall Rehm kommen. Die Ergebnisse der internationalen Studie, durchgeführt von Wissenschaftlern aus Köln, Tokyo und Colorado, werden Anfang Juni präsentiert. Sie entscheiden nicht nur über das Startrecht Rehms, sondern könnten auch Auswirkungen auf allgemeingültige Regeln für alle durch eine Prothese gehandicapten Sportler haben.

Für Rehm heißt es in der Zwischenzeit: Volle Konzentration auf die Vorbereitungen für Rio. Sein Tagesablauf ist bis auf die Minute durchgetaktet, denn der 27-Jährige ist von Beruf Orthopädietechniker-Meister und muss neben dem Job noch zwei Trainingseinheiten unterkriegen. Bei einem solchen zeitlichen Aufwand ist es „umso schöner, dass ich bei Förderprojekten wie der DSL einbezogen werde“. #goforgold #Rückendeckung #Rio2016
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