Deutsche Sportlotterie

Elisabeth Seitz - „Ich finde die Idee der Sportlotterie genial“

Weltklasseturnerin und Sportlotterie-Botschafterin Elisabeth Seitz

Die Deutsche Sportlotterie stellt den Lebensalltag von Sportlerinnen und Sportlern vor, die ihr Leben zeitweise darauf ausrichten, sportlichen Großereignissen erfolgreich zu sein. Was das bedeutet und wo die Probleme liegen, erzählt die Turnerin Elisabeth Seitz, Botschafterin der Deutschen Sportlotterie.

Sie feierte schon große Erfolge: Elisabeth Seitz war Sechste am Stufenbarren bei den Spielen in London 2012, was eine hervorragende Platzierung für eine deutsche Turnerin bedeutet, gewann 2013 den Gesamt-Weltcup und holte bereits 2011 die Silbermedaille bei der Europameisterschaft im Mehrkampf. Bei der WM 2016 in Glasgow belegte sie einen hervorragenden 10. Platz im Mehrkampf.

Was ist ihr großer Traum als Sportlerin?
Mein großer Traum war schon immer die Teilnahme an den Spielen. In London ist dieser Traum in Erfüllung gegangen, für Rio kämpfe ich weiter. Und dass mit der Beendigung meiner aktiven Karriere in ein paar Jahren meine Karriere nicht einfach Vergessenheit gerät.

Wie lange träumen Sie ihn schon?
Konkret würde ich sagen seit sechs Jahren, denn 2008 stand ich das erste Mal in einem internationalen Finale bei den Jugendeuropameisterschaften in Frankreich. Nach mehreren deutschen Meistertiteln und internationalen Titeln in der Elite bei Europameisterschaften, Weltmeisterschaften und Weltcups wuchs in mir die Gewissheit, dass ich die Qualifikation schaffen kann, wenn ich gesund bleibe. Denn das ist die Grundvoraussetzung.

Welchen Aufwand treiben Sie dafür?
Im Turnen sind die Trainingsumfänge sehr hoch, bis zu 34 Stunden pro Woche plus Physiotherapie. Zudem ist Turnen sehr komplex – es sind vier verschiedene Geräte, die ein hohes Maß an Kraft, Ausdauer, Beweglichkeit, Technik verlangen, das macht das Training äußerst intensiv. Schon mit zehn Jahren hat man Trainingsumfänge von 25-30 Stunden in der Woche, ab 12-13 Jahren müssen Sie 30 und mehr Wochenstunden aufwenden, um international den Anschluss zu bekommen. Nun, ich bin jetzt gerade 21 Jahre alt, das bedeutet, dass ich schon seit mehr als zehn Jahren intensives Turntraining betreibe, zumal ich mich immer noch international behaupten möchte.

Auf was verzichten Sie dafür?
Ich habe sicher auf so manche Party oder so manches Eis verzichtet, was jedoch nicht schlimm war, da ich vom Training ohnehin zu müde war und meine Freunde sehr viel Verständnis haben, dass ich meine Lebensweise dem Sport unterordne. Sie kamen einfach zu mir nach Hause. Am meisten habe ich auf "Zeit" verzichtet: Zeit zum "Nichtstun", aber auch Zeit zum Lernen, Zeit, um zum Beispiel einem Ferienjob nachzugehen, mit dem man ein wenig Geld verdienen könnte. Das Leben einer Turnerin und vieler anderer Sportler ist ab 6.00 Uhr morgens bis 20.00 abends durchgetaktet. Stehen Hausaufgaben, Arbeiten oder Studieninhalte an, wird der Tag noch länger. Seit meinem Abitur 2013 bin ich flexibler. Ich leiste mir den "Luxus", Soldatin bei der Sportfördergruppe zu sein, das verschafft mir Zeit zum "Durchatmen" bezüglich der jahrelangen Doppelbelastung durch Schule und Training. Ich kann jetzt optimal trainieren und mehr Zeit in die Pflege meiner Gesundheit investieren. Nach so vielen Jahren harten Trainings ist dies auch notwendig. Gleichzeitig habe ich eine finanzielle Grundsicherung, die jedoch wiederum an sportliche Leistung gebunden ist. Aber dass ich als Hochleistungssportler leistungssportgerecht lebe, ist für mich kein Verzicht, das gehört einfach dazu.

Machen Sie sich Sorgen um Ihre berufliche Zukunft?
Sorgen um meine berufliche Zukunft mache ich mir direkt nicht, da ich mich bereits um die Zeit nach dem Sport gekümmert habe und ein Studium im Auge habe. Würde ich jedoch meine Zukunft mit Sport planen, was ja im Turnen aufgrund der begrenzten aktiven Jahre eigentlich kaum möglich ist, müsste ich mir in der Tat Sorgen machen, denn als Turnerin kann man sich in den aktiven Jahren keinen Puffer schaffen, man verdient ja praktisch nichts. Verdienen kann eine Turnerin im besten Fall ein bisschen was durch die erfolgreiche Teilnahme an Weltcups und dann durch Sponsorenverträge, die man in der Regel selbst generiert, und wenn man sehr erfolgreich ist bei internationalen Wettkämpfen, die eine oder andere Prämie. Aber wie gesagt: Erstens ist dies in Sportarten wie Turnen äußerst schwierig und zweitens an sehr gute Leistungen gebunden. Am allermeisten hoffe ich, während meiner aktiven Zeit im Sport gesund, also verletzungsfrei, zu bleiben, um so die geplanten Ziele erreichen zu können. Das empfinde ich oft als belastend.

Wie riskant ist es, eine gewisse Zeit voll auf den Sport zu setzen?
Es ist sehr riskant. Denn alles hängt von der eigenen Gesundheit und der guten Leistung ab. Ich sehe es an mir selbst: 2014 hatte ich mit verschiedenen "Wehwehchen" zu kämpfen, wodurch ich keine DM, EM und nicht die volle WM turnen konnte. Ohne diese Wettkämpfe fehlen einem dann die Platzierungen, die wiederum eine entsprechende Förderung zum Beispiel bei der Sporthilfe bedingen. Dann rutscht man vom A in den B-Kader. Zudem qualifiziert man sich bei WMs für die Weltcupserie, wo es Prämien gibt. Auch diese fallen dann weg. Das macht mir Sorgen, denn die laufenden Kosten bleiben ja gleich hoch beziehungsweise werden höher, wenn eine umfassendere medizinische Versorgung notwendig ist. Ohne die Bundeswehr hätte ich keinerlei Planungssicherheit in einem schwierigen Jahr, wie es für mich 2014 gewesen ist. Insofern ist es sehr riskant, voll auf den Sport zu setzen.

Welche Förderung wird Ihnen als Sportlerin zuteil?
Die Förderung durch die Bundeswehr und dieses Jahr noch die A-Kader Förderung durch die Sporthilfe. B-Kader Förderung gibt es bei gleichzeitiger Förderung durch die Bundeswehr im nächsten Jahr nicht mehr. Und A-Kader werde ich aufgrund der oben beschriebenen Umstände zunächst nicht mehr sein... Aber ich bin der Sporthilfe sehr dankbar, sie kümmert sich um die Belange der Sportler, sie finanziert zum Beispiel auch Nachholstunden und Nachhilfelehrer, die aufgrund der zahlreichen Abwesenheiten von der Schule notwendig sind. Gerade im Bereich der schulischen und beruflichen Ausbildung unterstützt die Sporthilfe ihre Athleten sehr.

Wo könnte die Förderung insgesamt noch besser sein?
Ein Sportler, der länger als nur ein Jahr international bestehen möchte, muss viel Zeit und Geld in Trainingskosten, Ausstattung, spezielle Ernährung, seine Mobilität, sehr viel in medizinische und rehabilitsatorische Maßnahmen investieren. Hinzu kommen die ganz normalen Lebenshaltungskosten für Wohnung, Auto, Kleidung, Essen etc...Solange ein Sportler noch minderjährig und /oder in Ausbildung ist, sind die Eltern die Hauptsponsoren und diejenigen, die ein hohes Maß an Logistik bereitstellen müssen. Ich meine, Sportler sollten eigentlich auch etwas verdienen können und z.B. im Hinblick auf die Rente vorsorgen können. Doch das ist, Fußball, Handball, Tennis und entsprechende Sportarten ausgenommen, ja gar nicht möglich. Die Mehrzahl der erfolgreichen Sportler in Deutschland arbeitet kostendeckend oder defizitär. Das dürfte so nicht sein. Meine Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr im September 2013, für die ich sehr dankbar bin, war im Übrigen mit einem sechswöchigen Trainingsausfall verbunden durch die sechswöchige Grundausbildung als Soldat. In meiner Sportart Turnen ist das in einem Jahr kaum mehr aufzuholen. Doch ohne die Förderung bei der Bundeswehr hätte ich vielleicht gar nicht weitermachen können. Vielleicht könnte man diese Zeit splitten.

Wie finden Sie die Idee der Deutschen Sportlotterie?
Die Idee, durch ein beliebtes Gewinnspiel Menschen anzuziehen und sie dadurch mit dem Sport und den Bedürfnissen der Leistungssportler in Berührung zu bringen, finde ich genial. So bietet die Sportlotterie die Chance, dass vielleicht bei einem Teil der Lotteriespieler ein besseres Verständnis für das komplexe Leben von Leistungssportlern und die Notwendigkeit ihrer finanziellen Unterstützung entsteht. Schließlich ist es wichtig, dass Menschen verstehen, warum Sportler ausreichende finanzielle Unterstützung benötigen. Durch die Sportlotterie wird zudem die Attraktivität des Sports und des Sporttreibens in der Gesellschaft als hohes Gut für alle Bürger gesteigert. Und es ist nicht zu unterschätzen, dass erfolgreiche Sportler positive Leitbilder für Kinder und Jugendliche in der heutigen mediengesteuerten Gesellschaft sind. Auch diese Chance birgt die Idee der Sportlotterie.Das große Plus an der Sportlotterie ist letztendlich die Möglichkeit, das finanzielle Volumen für die Sportförderung zu erhöhen. Dass Sportler für Sportler mit der Sportlotterie ein Vehikel dafür schaffen, ist ebenso eine hervorragende Idee.

Was kann die Deutsche Sportlotterie in Ihrer Sportart bewegen?
Viele Sportler könnten bei einer Förderung von 1000 € im Monat, die zunächst zwar an eine sehr gute Leistung, aber noch keinen Medaillenrang gebunden sind, ihre Sportartkarriere weiter verfolgen und müssten sie nicht beenden. Denn zunächst investiert man nur, es ist also ein defizitäres Geschäft. Viele Eltern schaffen es trotz großem Idealismus der ganzen Familie finanziell und zeitlich nicht, ihre talentierten Kinder derart intensiv über Jahre hinweg zu unterstützen. Man denke nur an die vielen Fahrkilometer, Kosten für Training, Verpflegung in Internaten, Ausstattung usw. Ich hatte das Glück, dass ich von Beginn an von meiner Familie bedingungslos unterstützt und entlastet wurde. Die Sportlotterie kann dort viel bewegen – ich wäre in jungen Jahren sicher besser aufgestellt gewesen. Sie kann zudem auf die Notwendigkeit von Sport in und für die Gesellschaft und die damit verbundene Logistik und finanziellen Bedürfnisse aufmerksam machen.
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